Schulgeschichte

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schulgeschichte

Dr. H. Ludwig (ehemaliger Schulleiter bis 2005)

Bis zum Jahr 1872 besuchten die Kinder von Kernscheid und Irsch gemeinsam mit den Kindern aus Filsch und Hockweiler die Schule in Irsch. Zu dieser Zeit hatte der Lehrer Heinz über 160 Kinder „ in einem dumpfen, engen Schullokale“ (1) zu unterrichten. Diese älteste Schule von Irsch befand sich auf der linken Seite der Kirche am Torbogen zum Pfarrgarten, wo sich zur damaligen Zeit auch noch Ökonomiegebäude, Holz- und Kutschenschuppen befanden.

Die Gründung dieser Schule liegt im Dunkeln. „Die ersten Lehrer waren bloß Winterlehrer, die im Winter Schule hielten und im Sommer als Maurer beschäftigt waren“ (3). Die Schule war in einem Haus untergebracht, das im dörflichen Hausnamengebrauch „Kostischhaus“ genannt wurde - ein Hinweis dafür, dass mit der Schulstelle auch gleichzeitig die Küsterei verbunden war. Brachte die Schule dem Lehrer im Jahr 1864 ein Gehalt von 100 Talern, 25 Silbergroschen und 8 Pfennigen ein, wurde der Küsterdienst mit Naturalien (16 Malter Korn) bezahlt, das Orgelspiel galt als Zugabe. Für die Schule hatte die Gemeinde Kernscheid im Jahre 1847 einen Betrag von 794 und 949 Thalern aufzubringen (4), wie aus einem alten Beschlussbuch des Gemeinderates hervorgeht.

Über die „Schulverhältnisse in der Herrschaft Irsch vor 1800“ berichtet der Irscher Pfarrer Franz Rupp nach den Angaben des damaligen Pfarrers Placidius Cremer vom 2.8.1784 (Staatsarchiv Koblenz): „22 Kinder aus den drei Dörfern Irsch, Korlingen und Hockweiler sind schulpflichtig. ... Hiesiger Lehrer und Küster ist approbiert und tüchtig, besonders in der Katechese, im Gesang, Brief- und Drucklesen, und bemüht sich von Tag zu Tag besser in jetzt üblicher Handschrift. In der Rechenkunst hat er hinlängliche Erfahrnis, und ist sehr auferbaulich. Die Einkünfte sind gering. Von jedem Schulkind bekommt er 18 Weißpfennige, macht pro Jahr an 8 Reichstaler. Von Stiftungen als Küster ein Reichstaler 24 Weißpfennige. Von jeder Ehe an sogenanntem Johannesgeld 2 Weißpfennige, macht ein Reichtstaler 22 Weißpfennige. An Küsterkorn von jeder Ehe 13 Fäßger = 3 Malter 6 Vierzel. Im Bürgeranteil ist er sogar den Viehhirten weit nachgesetzt. Kein Holz. Die Gemeinden sagen, er habe früher nur 10 Fäßger Korn pro Ehe bekommen, wären ihm drei Fäßger zugesetzt worden für Holz zu kaufen. Er kann nicht existieren, da der arme Mann noch 1 Malter Korn für seine Haushaltung zukaufen muß. An Vieh erlaubt man ihm eine Kuh, auch ein aber nicht gern zwei Schweine, zur Waldmast nur eines, wo ein Gemeiner dies Jahr vier einkehrte. Wegen diesem einen begehrte man doppelte Hutgebühren von ihm, samt Kost für den Hirten.“(Zeitungsartikel Franz Rupp, undatiert)

Der auch für damalige Verhältnisse kärglichen Entlohnung des Lehrers durch die Gemeinde widersprach der Pfarrer Cremer folgendermaßen (Zeitungsartikel Franz Rupp, undatiert) : „Diesem unverstandt widersetzte ich mich, daß er nicht Vieh und Kinder zugleich hüten könne. Sie erlauben ihm auch 8 Schaaff zu halten mit dem aushalt, daß er der Gemeinde dagegen jährlich 1 Maaß brantenwein und ein brot zum besten gebe, diesem aushalt machte ich diesmal aber einen einhalt, ob sie es nun dabey beruhen lassen, weiß ich nicht. Der gute Lehrer wäre mit allem jetzt zufrieden, wenn nur ein jedes von den drei Dörffer ihm einen Wagen Holz jährlich geben und führen würde.“

1864 zählte die Schule bereits 120 Kinder, die Schülerzahl stieg dann bis zum Jahr 1872 auf 160 Kinder an. Aus diesem Grund und auch auf Wunsch der Gemeinden Kernscheid und Irsch fand die Trennung der Schulen statt. Kernscheid wurde ebenfalls Schulort und erhielt auf Anordnung der königlichen Regierung 1879 ein eigenes Schulhaus (5). Zur Errichtung einer eigenen Schule in Kernscheid trug auch der schlechte Weg zwischen beiden Orten bei, den die Kinder in dieser Zeit selbstverständlich zu Fuß zurücklegten.

Obwohl der preußische Staat mit dem Schulaufsichtsgesetz vom 11. März 1872 der geistlichen Schulaufsicht ein Ende setzte (6), fungierte der Pfarrer von Irsch weiterhin als königlicher Ortsschulinspektor der Schulen von Irsch und Kernscheid (7). Seine Aufgabe bestand vor allem in der Abnahme der Osterprüfungen und der Durchführung der Schulentlassungen. Die Chronik der Schule Kernscheid berichtet bis zum Eintragungsjahr 1915 über diese lokale Schulaufsicht des Pfarrers neben der staatlichen (8).

Rund 100 Jahre später, nämlich mit der Organisationsverfügung der Bezirksregierung Trier vom 27. März 1973 wurde die einklassige Schule in Kernscheid wiederum aufgelöst. Die Grundschüler beider Orte und die aus Filsch und Hockweiler besuchen ab 1. August 1973 nun wieder gemeinsam die Grundschule Irsch.

Die alte Schule in Irsch wurde 1884 errichtet und diente Generationen von Irschern, Filschern und Hockweilerern als Schule (9). Ab 1885 wurde nach Geschlechtern getrennt in zwei Klassen von 7.30 Uhr bis 12.30 Uhr unterrichtet. Erst ab 1904, als die Schülerzahl auf 139 Kinder angestiegen war, wurde der Unterricht im Dreiklassensystem mit zwei Lehrkräften am Vor- und am Nachmittag abgehalten. Bis 1922 hatte die Schule nur zwei Lehrer, ab 1935 gab es drei Lehrkräfte. 1873 wurde das Schulgehalt durch das königliche Oberpräsidium auf 150 Taler festgesetzt, ab 1974 wurden 870 Reichsmark und eine Holzlieferung von 9 rm „Derbholz“ gezahlt. 1904 betrug das Grundgehalt der Lehrerstelle 1050 Mark, das der Lehrerinnenstelle 800 Mark (10). Vor der Jahrhundertwende besuchten ca. 120 Schüler/Jahr die Schule, nach 1904 gab es ca. 140 Schüler/Jahr, wobei in der Zeit zwischen 1920 und 1930 ein Rückgang auf ca. 90 Schüler/Jahr zu verzeichnen ist. In den Kriegstagen vom Dezember 1944 bis März 1945 war die Schule geschlossen und das Bürgermeisteramt Trier-Land hier ausquartiert (11).

Unter Vorsitz des Amtsbürgermeisters Matthias Winter beschloss der Schulverband Irsch-Filsch-Hockweiler, der am 7. November 1907 zur Unterhaltung der Schule gegründet worden war (12), am 3. März 1980 den Neubau einer Schule in Irsch. Obwohl in den Jahren von 1955 bis 1961 die Schülerzahl, die 1951 noch 137 Schüler betragen hatte, rapide bis auf 81 Kinder abgesunken war, erfolgte dieser Beschluss im Zuge des sogenannten „deutschen Wirtschaftswunders“.

Das alte Schulgebäude verfügte nur über zwei Klassenräume (13), sodass bei drei Klassen (Grundschule 1. – 4. Schj., 5. – 8. Schj. jeweils eine Jungen bzw. eine Mädchenklasse) Schichtunterricht erteilt werden musste. Zeitweise war auch eine Klasse in der „Burg“, dem Pfarrhaus von Irsch untergebracht (14). 1961 wurde die alte Schule an das Bobinet-Unternehmen in Trier verkauft, das hier in einem Nebenraum des Schulgebäudes, nämlich in der leer stehenden Lehrerwohnung, einen Zweigbetrieb einrichtete, der 15 - 20 Frauen und Mädchen eine Arbeitsstelle mit manueller Tätigkeit brachte (15).

Als Standort für das neue Schulgebäude in Irsch war zunächst der Distrikt „Sauwasen“ einschließlich „Engelborn“ vorgesehen (16). Als jedoch Bedenken wegen der dort vorherrschenden klimatischen Bedingungen auftauchten - im Volksmund wird dieser Distrikt auch „Eiskeller“ genannt - wurde unter einigen Schwierigkeiten ein anderer Standort gefunden. Durch das Entgegenkommen der Pfarrgemeinde und des damaligen Pfarrers Wirt konnte die „Kirchwies“ im Tauschverfahren als Bauplatz genutzt werden.

Am 29. Oktober 1961 erfolgte die Grundsteinlegung des heutigen Schulgebäudes, das bereits am 27. Oktober 1962 bezogen werden konnte und damals den Namen „St. Georg-Schule“ erhielt. Dem Besucher unseres Stadtteils zeigt sich schon von weitem das Bildnis des Hl. Georg auf der Außenfront der Schule, das von Prof. Erich Kraemer, Trier, geschaffen wurde. In einem Pressebericht zur Einweihung der Schule am 10. November 1962 schrieb der Trierische Volksfreund: „Wenn auch mancher der älteren Generation beim Abschied von der alten Schule an vergangene Kindertage wehmütig zurückdenkt, wird sich wohl niemand finden, der dem alten Bau eine Träne nachweint.“ Das neue Schulgebäude entsprach zur damaligen Zeit allen modernen Anforderungen. Im ersten Jahr nach Bezug des neuen Schulgebäudes gab es für 115 Kinder nur drei Lehrkräfte und drei Klassen (1./2. Schj., 3./4. Schj., 5.-8. Schj.), obwohl sechs Klassenräume vorhanden waren.

Mit Wirkung vom 15. April 1966 wurde die Kath. Volksschule Irsch zur Mittelpunktschule bestimmt, die auch von den Hauptschülern der 5. – 8. Schuljahre aus den Gemeinden Filsch, Franzenheim, Irsch, Hockweiler, Kernscheid und Tarforst besucht wurde. 1967 sind es zusammen mit der Grundschule bereits neun Klassen mit insgesamt 262 Schülern, wobei zwei Klassen in Kernscheid ausgelagert sind. 1970 steigt die Klassenzahl auf 10 Klassen an. Dies ist auch das Jahr, in dem die Konfessionsschulen in Christliche Gemeinschaftsschulen umgewandelt werden. 1972 wird die Volksschule Irsch von ca. 300 Schülern in 12 Klassen besucht, jedoch sind fünf Klassen der Grundschule in Kernscheid, Tarforst und Neukürenz ausgelagert (17).

Nach der Trennung von Grund- und Hauptschule im Jahr 1972 verblieb nur noch die Grundschule in Irsch. Seit dieser Zeit besuchen die Grundschüler von Filsch, Hockweiler, Irsch und Kernscheid die Schule, die zweizügig, d.h. in acht Klassen eingerichtet ist.

1994 gründete sich im Einzugsbereich der Schule ein eigener Verein, der „Freundes- und Förderkreis (FFK) der Grundschule Trier-Irsch“ als eingetragener Verein zur Förderung und finanziellen Unterstützung der Schule.

Durch die Verwaltungsreform wurden die Orte Filsch, Kernscheid und Irsch mit Irscher Berg und Irscher Mühle der Stadt Trier angegliedert. Die selbständig gebliebene Gemeinde Hockweiler gehört jedoch auch weiterhin zum Einzugsbereich der Grundschule, wodurch der Schulverband Trier-Irsch aus dem Anfang des Jahrhunderts die kommunale Neugliederung um fast 100 Jahre überdauert hat.

Anmerkungen
(1) Chronik der Volksschule Kernscheid (beendet 1. 8. 1973), unveröffentlicht, S. 3
(2) Rupp Franz: Auszug aus dem Lagerbuch. In: 1000 Jahre Pfarrei Irsch, Hrsg. Heinrich Wirtz, Trier, 1975, S. 115
(3) Chronik Schule: Irsch (21. April 1973 - 26. Okt. 1950), S. 2 f.
(4) Mohr, Fritz: Mehr über Kernscheid. In: 1000 Jahre Pfarrei Trier-Irsch, Hrsg. Heinrich Wirtz, Trier, 1975, S. 37
(5) Chronik der Volksschule zu Kernscheid, (beendet 1. 8. 1973), unveröffentlicht, S. 4
(6) Ries, Leo: Das Schulwesen. - In: 150 Jahre Regierungsbezirk Trier. Mainz und Trautheim, 1967, S. 103
(7) Chronik der Volksschule zu Kernscheid, /beendet 1.8.1973), unveröffentlicht, S. 5
(8) Ebd.: Eintrag vom 25.8.1915, S. 32
(9) Chronik der Volksschule Irsch bei Trier (Beginn 1.12.1950), unveröffentlicht, Eintrag vom 10.11.1962
(10) Chronik Schule: Irsch (21. Apr. 1873 – 26. Okt. 1950), S. 3 ff.
(11) Gierend, Heinrich: Niederschrift aus dem Lagerbuch der Pfarrei Irsch -In: 1000 Jahre Pfarrei Trier-Irsch, Hrsg. Heinrich Wirtz, Trier, 1975, S. 121
(12) Witzel, Michael: Grußwort - In: Festschrift 20 Jahre Grundschule Trier-Irsch, 30 Jahre Neue Schule Irsch, 1992, S. 12
(13) Chronik der Volksschule Irsch bei Trier (Beginn 1.12.1950), unveröffentlicht. Eintrag von 1956/57
(14) Ebd., Eintrag 1.9.1960
(15) Ebd., Eintrag von 1961
(16) Ebd., Eintrag mit Pressebericht vom 20.9.1959 ff.
(17) Ebd., Eintrag von 1971
Quelle : Kulturverein Trier-Irsch e.V. Chronik 1025 Jahre Trier-Irsch (2000)